Typische Floskeln in Stellenanzeigen vermeiden

Flexibel, teamfähig, motiviert, dynamisch & engagiert …

Wer regelmäßig Stellenanzeigen analysiert, gelangt rasch zu der verblüffenden Erkenntnis, dass die Anforderungen an Stellenbewerber sich in ganz unterschiedlichen Unternehmen und Branchen gleichen wie ein Ei dem anderen. „Flexibel, teamfähig, motiviert“ soll er (oder sie) sein, über „gute“, besser noch „ausgezeichnete Kenntnisse“ in Was-auch-immer verfügen, zu den Besten seines Jahrgangs gehören, ach, und wenn er oder sie dann noch etwas Berufserfahrung mitbrächte, sich aber mit der Juniorposition abfinden könnte … Geboten werden dafür natürlich eine überdurchschnittliche Vergütung, die Mitarbeit in einem tollen Team mit spannenden Aufgaben und super Karrierechancen. Vorausgesetzt die Bewerber bringen Interesse daran mit, sich weiterzubilden … und ganz viel Fantasie, um sich vorzustellen, was sich wohl wirklich hinter solchen Aussagen verbirgt.

Nein, wir wollen uns hier nicht in Ironie verlieren und ich will hier gewiss nicht den Oberlehrer spielen. Aber klar sein dürfte doch: In solchen Anzeigentexten werden hemmungslos Floskeln rausgehauen, denn hier hat es jemand versäumt, sich tatsächlich Gedanken darüber zu machen, was genau er vom zukünftigen Stelleninhaber erwartet. Und was er diesem im Gegenzug dafür zu bieten hat.

Keine Bewerber? Nicht die richtigen? Nicht immer ist Fachkräftemangel schuld!

Und so wundert es kaum, dass die Rede, manche sagen auch die Mär, vom Fachkräftemangel auch dann Thema ist, wenn eigentlich ausreichend Bewerber zur Verfügung stehen. Und mal ehrlich: Würden Sie von sich behaupten, dass Sie Jahrgangsbester, jung, dynamisch, aufgeschlossen, berufserfahren, motiviert, teamfähig, zielorientiert und bis zum Kinn mit Soft Skills gewappnet sind? Und wie würden Sie es bewerten, käme Ihnen morgen ein Bewerbungsschreiben ins Haus geflattert, in dem sich ein Bewerber all dieser Eigenschaften rühmte? Womöglich noch aufgelistet und mit Bullet Points versehen? Eben. Der Papierkorb wäre um ein Anschreiben reicher.

Floskeln in Stellenanzeigen verzögern die Suche und schaden Ihrem Unternehmen

Worum es mir an dieser Stelle eigentlich geht, ist, zu veranschaulichen, warum die 08/15-Texte von Stellenanzeigen auf die Talente, die Sie tatsächlich suchen sollten, eher abschreckende Wirkung haben. Und das gilt nicht allein für die Aufzählung der Bewerbereigenschaften. Das gilt auch für das Stellenprofil und die Unternehmensdarstellung. Während Sie aber mit einer schlechten Charakterisierung Ihres zukünftigen Mitarbeiters nur riskieren, länger als nötig, danach suchen zu müssen, fügen Sie Ihrem Unternehmen mit einer allzu floskelhaften Selbstdarstellung und Positionsbeschreibung tatsächlich vehementen Schaden zu. Oder denken Sie wirklich, es gereiche Ihnen zum Nutzen, wenn Sie beispielsweise von Ihrem Top-Team schreiben, von einer supersicheren Position und von Ihren enormen Umsätzen, wo doch jeder weiß, dass Ihr Unternehmen gerade eine enorme Krise durchmacht und Sie jemanden benötigen, der bereit und in der Lage ist, mit Ihnen gemeinsam das Ruder wieder herumzureißen? Jemandem, dem wirklich etwas brauchbar Neues einfällt, statt innovativste Innovationen umzusetzen?

Werden Sie konkret und präzisieren Sie Ihre Vorstellungen

Wenn Sie einen Steuermann suchen, schreiben Sie kein Stellenprofil für einen Lotsen aus. Holen Sie Ihren neuen Mitarbeiter von Anfang an mit klaren Aussagen ins Boot. Präzisieren Sie so genau wie möglich, welchen Anforderungen er tatsächlich gewachsen sein muss. Welche Aufgaben er übernehmen soll. Überdenken Sie, was echte Vorteile sind, beispielsweise Ihr Unternehmensstandort, Ihre familienfreundlichen Arbeitszeiten, Ihre Prämienzahlungen, Ihre Zusatzleistungen in die soziale Absicherung, der freundliche Umgangston in Ihrem Betrieb, die tolle neue Ausstattung der Büros mit ergonomisch geformten Schreibtischstühlen. Was und wie auch immer es ist, werden Sie konkret, statt mit Floskeln in Stellenanzeigen Bewerber zu vertreiben, die sich nicht angesprochen fühlen, obwohl doch gerade sie gemeint waren.

Stellen Sie sich dumm, horchen Sie in die Stille, unterbrechen Sie die Wortmaschinerie!

Natürlich müssen Sie die Sprache von Stellenanzeigen nicht gänzlich neu erfinden. Und natürlich lässt sich nicht jede der genannten Vokabeln vermeiden. Teamfähigkeit ist eine wunderbare Fähigkeit – aber vielleicht fällt Ihnen ja auch ein anschauliches Beispiel ein, was genau Sie eigentlich darunter verstehen? Versuchen Sie nun im Gegenzug aber auch nicht, über das Ziel hinauszuschießen, indem Sie eine originelle Pointe an die andere reihen. Es sei denn, Sie suchen einen Entertainer. Nein, es geht immer und immer wieder nur darum, runterzufahren, die sich ewig drehende Wortmaschinerie zum Stillstand zu bringen.

„Da stelle mer uns mal janz dumm“, pflegte der Chemielehrer in der „Feuerzangenbowle“ zu sagen. Und genau das ist der Weg: Beim Einfachsten anfangen. Schlüssig argumentieren, beschreiben, was ist. In die Stille horchen, um zu echten Aussagen und aussagekräftigen Formulierungen zu gelangen. Zu schwer?

Darin haben Sie so gar keine Übung? Dann üben Sie sich doch noch einfacher in der Kunst des Delegierens und gehen auf Nummer sicher, dass weder der Text noch die Grafik Ihrer Stellenanzeige vor Floskeln nur so strotzt. Gern können Sie mich zu einem unverbindlichen Beratungsgespräch kontaktieren.

Sie erreichen mich täglich von 8-20 Uhr unter Telefon 0 99 05 – 707 85 80.

Es gibt einen Ergänzungsartikel zu Jobtitel-Floskeln in Stellenanzeigen:

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